InitiativeTabu Suizid e.V. - Düsseldorf
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Nach vielen  Jahren

 

Es kommen  auch Anfragen von Betroffenen wo der Suizid schon viele Jahre her ist und dann doch plötzlich wieder präsent.

 

Die meisten Betroffenen sind der Annahme, dass  nach so vielen Jahren doch alles gut sein müsste und man doch jetzt nicht mehr in eine Gruppe gehen könnte.

 

Meist erzähle ich ihnen dann von mir, wie ich nach über 34 Jahren nach weiteren  einschneidenden Ereignissen und einem Zusammenbruch erstmals öffentlich über den Suizid meines Vaters sprechen konnte.

 

Wie ich  ihm einen über 30 Seiten langen Brief schrieb. Ein Brief an einen Toten was mir zu Anfangs sehr schwer fiel und wie ich dann fast nicht mehr aufhören konnte.

 

Zeilen voller Schuld, Scham, Verzweiflung, Ohnmacht, Wut, Hoffnungs-losigkeit und Angst ja großer Angst.

Ich schrieb ihm was mich bewegte und seit seinem Tod passiert ist. Wie sehr ich ihn noch gebraucht hätte, wie sehr ich in vermisst habe,  über die Hochzeit seiner Kinder, die Geburt seiner Enkel und vieles mehr.

Nun bin ich schon ein vielfaches älter  als er geworden ist, er ging mit 44, ich war 16 als ich den Schuss hörte der mein Leben von einer Sekunde auf die andere so veränderte.

 

44 kein Alter er war viel zu jung, doch es war seine Entscheidung,  obwohl wenn ich heute darüber nachdenke war er überhaupt noch in der Lage zu entscheiden?.  Er war in der letzten Stunde seines Lebens sehr eigenartig.

 

An einem Novemberabend nahm ich diesen Brief und ging gemeinsam mit meinem Therapeuten auf den Friedhof an die Stelle wo sich einmal sein Grab befand und nahm Abschied.  Den Brief habe ich an Ort und Stelle verbrannt er wollte erst gar nicht brennen so viel Trauer und Schmerz enthielt er wohl.

An diesem Abend versöhnte ich mich mit meinem Vater und hatte das Gefühl ich nehme das junge Mädchen das seit seiner  Beerdigung an dieser Stelle ausharrte nach über 30 Jahren mit nach Hause und kümmerte mich um sie.

 

In der von mir gegründeten Selbsthilfegruppe habe ich gemeinsam mit Gleichbetroffenen  gelernt  den Suizid zu akzeptieren,  denn begreifen werde ich es nie,  doch mit der Akzeptanz kann ich leben.

 

Einige Betroffene konnte ich so ermutigen auch noch nach vielen Jahren den Suizid unter Gleichbetroffenen als nicht abwendbar zu akzeptieren und lernen damit zu leben.

 

Man sagt zwar Zeit heilt alle Wunden doch einen Menschen durch Suizid zu verlieren ist eine außerordentlich schmerzhafte Erfahrung, die das Leben von uns Betroffenen tief greifend verändern kann. Kaum jemand, der nicht davon betroffen ist, kann dies nachvollziehen.

 

Es bleiben Narben – tiefe seelische Narben - die genau wie körperliche Narben ab und an mal mehr mal weniger schmerzen.

 

Wenn wir gemeinsam lernen mit diesem  Schmerz umzugehen, den Suizid eines geliebten Menschen zu akzeptieren  haben wir einen großen Schritt getan.

 

Es wird zwar nie wieder so werden wie es einmal war, doch es kann wieder ein gutes Leben werden.

 

 

 

Sept. 2015

 

 

 

 

 

www.tabusuizid.de