InitiativeTabu Suizid e.V. - Düsseldorf
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Wut als positive, befreiende Emotion

( aus dem Erleben eines Psychotherapeuten)

 

Was kann lindern, wenn nichts Tröstliches zu finden ist? Was tun mit diesem Schmerz und dieser Ohnmacht, dieser Verlassenheit des vom Suizid eines geliebten Menschens betroffenen Hinterbliebenen ??

 

Es tut gut, sich in allererster Linie selbst liebevoll zu begegnen und wieder zu entdecken, wenn alles einzustürzen droht. 

Und dabei wird die Wut unterschätzt, auch als positive, befreiende Emotion.

Und da ist oft die Schuld....

Was ist das denn für eine Schuld?
Schuld am Suizid?
Schuld, versagt zu haben, als Vater, Mutter, als Partnerin, Partner? Nicht zur rechten Zeit am rechten Ort?
Schuld, einen Sohn oder Tochter gezeugt zu haben, die das Leben nicht mehr leben wollten ?
Schuld, ihn oder sie unvollständig geliebt zu haben?
Schuld, dem Menschen nicht vertraut, ihm nichts zugetraut zu haben im Leben?
Oder Schuld dieses toten Menschens?
Muss ein Mann nicht tun im Leben, was ein Mann tun muss? Gehören Söhne auch zu selbstbestimmten Männern?
Was für eine Schuld und was genau macht die in ihm?


Und dann fühle ich da auch Wut, Wut auf Menschen, die die Folgen ihres Handelns für die
" Übriggebliebenen" übersehen. Wut, dass Menschen die Notsignale anderer nicht verstehen. Wut, da zu stehen mit dem Gefühl, nichts ändern zu können, ohnmächtige, schreiende Wut, die mal so richtig in diese "Beziehungskacke" reinschlagen und alles rausbrüllen will.

 

Bis diese Wut als Kraft entladen ist, der Kopf vorne über hängt, die Atmung schnauft und den Weg tief in den Bauch hinein sucht und die Arme nicht mehr gehoben und die Hände nicht mehr zu Fäusten geballt werden können. Keine Kraft mehr zum Schlag auszuholen.


Und dann fühle ich sie, diese Trauer, diese untröstliche, unendlich tiefe Traurigkeit. Kein Gedanke an den Menschen, den Vater, die Mutter, den Partner, das Kind, ist ohne ein Gefühl von Trauer. Und da steht sie dick und fett und groß, und schwer ist das Herz. Und könnt ich sie so fühlen, wenn ich nicht unendlich lieben könnte?


Und da würde ich diese Hinterbliebenen abholen wollen, in ihrer unendlichen Ressource Liebe, weil sie diesen Toten geliebt haben. Mit jeder Faser ihrer Seele, mit Haut und Haar. Und dazu die ganzen Bilder von Eltern und Kind, Mann und Frau, und Liebe, die ganzen kleinen Gesten, Worte und Begegnungen.


Wenn etwas ist wie es ist und es ist nicht wieder " heile" zu machen, gibt es keine Superlösung mehr. Dann taugt vielleicht auch die Zweit- und Drittlösung gefühlt unvollständig. Und doch wird da eine sein, die angefüllt werden darf mit all den vielen guten Gefühlen, den liebevollen, aufrichtigen Bildern und Gesten. In den viele gelebten Jahren wird alles abphotografiert, was liebevoll, richtig und gut war, dass die Augen das wieder sehen können. Und die Photos kommen in den Safe.


Und all die Tränen dürfen dabei geweint werden, immer mit Blick in den Safe. Und den Schlüssel hält der Hinterbliebene in der Hand. Sein Sicherheitszentrum.


Das ist in der Vorstellung bis in Trance sehr ausbaufähig, diese zentrale Sicherheit.  Der Hinterbliebene kontrolliert. Es ist sein Safe.


Ich gäbe diesen Hinterbliebenen einen Boxsack und einen Safe.

 

Juni 2015

 

www.tabusuizid.de